Samira Rebsamen – «Eine gute Vertrauensbasis zu Klienten zu schaffen, ist sehr wichtig und gleichzeitig herausfordernd.»
Straf- & Strafprozessrecht

MLaw Samira Rebsamen, LL.M. ist Anwältin bei der BALEX AG in Basel. Sie ist überwiegend im Straf- und Prozessrecht tätig.
Wann sind Sie das erste Mal mit dem Strafrecht in Berührung gekommen?
Ich habe schon immer gerne Krimis geschaut. Wirklich mit dem Strafrecht in Berührung gekommen bin ich jedoch erst in meinem Volontariat. Dort musste ich schon sehr bald für eine Anwältin an einer Einvernahme einspringen. Ich weiss noch, dass es sich um einen schweren Vorwurf handelte und ich mich deshalb zu Beginn nicht sehr wohl fühlte. Als das Klientengespräch und die Einvernahme schliesslich fertig waren, merkte ich jedoch, dass mich die Geschichte des Betroffenen sehr beschäftigte und ich mich wirklich dafür einsetzen wollte.
Was sind ihre alltäglichen Herausforderungen?
Die grösste Herausforderung ist der Umgang mit den Klienten. Meistens hat man zu Beginn einer Einvernahme, wenn man Klienten nach einer Festnahme kennenlernt, nur eine Viertelstunde Zeit und muss in dieser kurzen Zeit den Klienten auf die Einvernahme vorbereiten und gleichzeitig sein Vertrauen gewinnen. Dabei kommt es immer wieder vor, dass der Klient einem nicht alles erzählt und man anschliessend durch Beweise überrascht wird, was die Ausarbeitung einer wirksamen Verteidigungsstrategie erschwert. Eine gute Vertrauensbasis zu schaffen, ist deshalb sehr wichtig und gleichzeitig herausfordernd. Zudem wird man oft mit emotional belastenden Schicksalen konfrontiert und muss eine Strategie finden damit umzugehen respektive sich abzugrenzen.
Mit welcher Person aus dem Bereich des Strafrechts würden Sie gerne für einen Tag die Rollen tauschen?
Die Ermittlungsarbeiten der Kriminalpolizei / Staatsanwaltschaft haben mich schon immer fasziniert. Ich würde gerne einmal bei einer Observation oder Telefonabhörung dabei sein und einen Tag in den Beruf der «anderen Seite» blicken.
Haben Ihre Erfahrungen Sie beziehungsweise Ihre Sicht auf Menschen verändert?
Ja, die Tätigkeit im Strafrecht hat meine Sicht auf Menschen definitiv verändert. Hinter einer Straftat steckt immer eine persönliche Geschichte und manchmal auch ein sehr schwieriges Schicksal. Viele Menschen sind nicht von Grund auf «böse» oder «kriminell», sondern wurden durch ihre Lebensumstände, ihre Erfahrungen oder schwierige Situationen geprägt. Das hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, den Menschen hinter der Tat zu sehen und seine Geschichte zu verstehen. Dies macht das Strafrecht meines Erachtens auch so spannend.
Machen Strafen Menschen zu besseren Leuten?
Es kommt darauf an. Solange man die Ursache für die Begehung des Delikts nicht versteht und bekämpft, hilft in meinen Augen auch eine Strafe nicht, um die Betroffenen von weiteren Taten abzuhalten. Hier dient das Beispiel der Beschaffungskriminalität: solange eine Person Mittel beschaffen muss, um die Sucht zu befriedigen, wird diese Person trotz Strafen weiterhin delinquieren. Zudem greifen die Strafen oft viel zu spät, wenn die Tat bereits mehrere Jahre zurückliegt.
Was würden Sie ändern?
Ich denke, ich würde versuchen, die Resozialisierung noch mehr in den Fokus zu rücken. Nach einer Haftstrafe haben die Betroffenen oft kein Sicherheitsnetz, das sie auffängt. Auch ist es aufgrund der Verurteilung schwierig, eine Arbeitsstelle zu finden. Dadurch ist es herausfordernd in ein geordnetes Leben überzugehen.
Sandra Schultz | legalis brief StrR 21.09.2026