10 | 2026
Berichte | Rapports

Carolina Moreno

Röstibrücke – «Best practice» der Schweizer Gerichte in zivilrechtlichen Rechtsstreitigkeiten im Bereich des Immaterialgüterrechts

Tagungsbericht

Am 3. Juni 2026 fand im Beau-Rivage in Neuchâtel die Ausgabe 2026 der «Journée neuchâteloise de la propriété intellectuelle et de l’innovation» statt, die diesmal gemeinsam von der Universität Neuenburg (vertreten durch Professor Daniel Kraus) mit AROPI (vertreten durch ihren Präsidenten Eric Rojas) und INGRES (vertreten durch dessen Präsidenten Michael Ritscher) sowie dem SVRH, dem Schweizerischen Verband der Richter in Handelssachen, organisiert wurde.

Der Titel – «Röstibrücke» – gab das Thema vor: Das Seminar versuchte, eine Brücke über den «Röstigraben» zu schlagen, indem es die Praktiken in Streitigkeiten zu immaterialgüterrechtlichen Themen in den verschiedenen Gerichtsbarkeiten des Landes verglich.

Die Referenten wurden bewusst aus beiden Sprachregionen ausgewählt, und auf jeden thematischen Vortrag folgte eine Diskussion unter Richtern und Praktikern aus verschiedenen Kantonen. Die Richterrunde setzte sich zusammen aus Béatrice Neyroud (Kantonsgericht Wallis), Emmanuel Piaget (Kantonsgericht Neuenburg), Marcel Schlup (Handelsgericht Bern), Meinrad Vetter (Handelsgericht Aargau) und Daniel Schwander (Handelsgericht Zürich).

Le 3 juin 2026, l’Hôtel Beau-Rivage à Neuchâtel a accueilli l’édition 2026 de la Journée neuchâteloise de la propriété intellectuelle et de l’innovation, organisée conjointement par l’Université de Neuchâtel (représentée par le Professeur Daniel Kraus), l’AROPI (représentée par son président, Eric Rojas), INGRES (représentée par son président, Michael Ritscher) ainsi que la SVRH, l’Association suisse des juges commerciaux.

Le titre de la conférence – Röstibrücke – donnait le ton de la journée: plutôt que de mettre l’accent sur le traditionnel Röstigraben, qui symbolise la séparation entre la Suisse alémanique et la Suisse romande, le séminaire entendait construire un «pont» en comparant les pratiques procédurales en matière de contentieux de propriété intellectuelle dans les différentes juridictions suisses. Le programme couvrait les principales étapes de la procédure civile, à savoir la phase d’allégation, la négociation transactionnelle (Vergleichsverhandlung), l’administration des preuves et les procédures sommaires.

Les intervenants avaient été volontairement choisis dans les deux régions linguistiques du pays et chaque présentation thématique était suivie d’un échange entre des juges issus de différents cantons. Le panel de juges réunissait Béatrice Neyroud (Tribunal cantonal du Valais), Emmanuel Piaget (Tribunal cantonal de Neuchâtel), Marcel Schlup (Tribunal de commerce de Berne), Meinrad Vetter (Tribunal de commerce d’Argovie) et Daniel Schwander (Tribunal de commerce de Zurich).

|Das Behauptungsverfahren

Die jüngste Revision der ZPO betraf u.a. namentlich das Behauptungsverfahren.

Nach einer Erörterung der für diese Phase geltenden Verfahrensgrundsätze – namentlich der Verhandlungsmaxime (maxime des débats), des Dispositionsprinzips (principe de disposition) und des Prinzips der Verfahrenskonzentration (maxime éventuelle) – untersuchte Professor François Bohnet die praktischen Auswirkungen des revidierten Artikels 229 ZPO und der Einführung des bedingungslosen Rechts auf Gegendarstellung. Besonderes Augenmerk wurde auf die Gestaltung der Schriftsatzphase und auf die Grenzen des verfahrensrechtlichen Ermessens des Gerichts gelegt.

Die Vergleichsverhandlung

Die folgende Sitzung, die von Daniel Schwander eingeleitet wurde, konzentrierte sich auf die Vergleichsverhandlung, ein strukturiertes Verfahren, das in mehreren deutschsprachigen Kantonen weit verbreitet ist, in der französischsprachigen Schweiz jedoch weitgehend unbekannt bleibt. In der Regel beruft eine kleine Delegation des Gerichts nach dem ersten Schriftsatzwechsel eine informelle Verhandlung ein, an der die Parteien selbst – und nicht nur ihre Rechtsvertreter – aktiv teilnehmen. 80 Prozent der Streitigkeiten werden bei dieser Gelegenheit beigelegt (siehe den Bericht über die Tagung «Der Immaterialgüterrechtsprozess: Prozessmanagement», sic! 2020, 307). Die Richter geben eine vorläufige, unverbindliche Einschätzung des Falles ab, woraufhin Vergleichsgespräche folgen. Das Bundesgericht hat erst kürzlich bestätigt, dass die Abgabe einer solchen vorläufigen Stellungnahme die Unparteilichkeit des Gerichts nicht beeinträchtigt (BGE 152 III 161 ff.).

Die Diskussion unter den Richtern verdeutlichte die Vielfalt der kantonalen Praxis. Während die Vergleichsverhandlung in mehreren deutschsprachigen Kantonen fest etabliert ist, verfolgt Bern einen zurückhaltenderen Ansatz, indem die Parteien zunächst getrennt empfangen werden, bevor sie zusammengebracht werden. Vergleichbare Verfahren sind in den französischsprachigen Kantonen nach wie vor selten. Der anschliessende Austausch mit dem Publikum, das sich hauptsächlich aus Praktikern zusammensetzte, deutete darauf hin, dass diese Methode positiv aufgenommen wurde. Mehrere Teilnehmer zeigten sich offen für eine proaktivere Rolle der Justiz, einschliesslich der Bereitschaft des Gerichts, eine vorläufige Beurteilung des Falles vorzunehmen, um Vergleichsgespräche zu erleichtern.

Das Beweisverfahren

Die Praxis hinsichtlich von Beweisverfügungen ist ein anderer Bereich, in welchem es grosse Unterschiede zwischen den Gerichten (und gelegentlich sogar innerhalb ein und desselben Gerichts) gibt.

Emmanuel Piaget leitete die Nachmittagssitzung zum Thema Beweisaufnahme ein, indem er die praktische Ab|wicklung von Beweisverfahren vor einem Kantonsgericht vorstellte. Die Podiumsdiskussion beleuchtete unterschiedliche Ansätze bei der Zulassung von Beweismitteln. Zürich wendet einen besonders strengen Massstab an, während Bern eine Mittelposition einnimmt und die französischsprachigen Kantone im Allgemeinen eine flexiblere Praxis verfolgen. Der Austausch verdeutlichte, wie sehr sich die Verfahrenstraditionen trotz der durch die Schweizerische Zivilprozessordnung eingeführten Harmonisierung weiterhin unterscheiden.

Das Summarverfahren

Wie Michael Ritscher eingangs erwähnte, geht es bei immaterialgüterrechtlichen Streitigkeiten in aller Regel nicht um finanzielle Ansprüche, sondern um den raschen Erlass eines (vorsorglichen) Verbots der (angeblichen) Verletzungshandlung. Entsprechend entscheidend ist das Summarverfahren.

Die abschliessende Sitzung und Diskussion widmete sich diesem Thema und wurde von Dr. Meinrad Vetter eröffnet. In seinem Vortrag ging er unter anderem auf einstweilige und einseitige Massnahmen, Beweisbeschränkungen, Schutzschriften, Verfahrensfristen und die Kostenverteilung ein.

Abschliessende Podiumsdiskussion

Die Konferenz endete mit einer Podiumsdiskussion unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt Guillaume Fournier, bei der das Publikum direkt mit den Richtern diskutieren konnte. Eine der erörterten Fragen war, ob die Schweiz auf ein einziges Fachgericht für Rechtsstreitigkeiten im Bereich des Immaterialgüterrechts hinarbeiten sollte oder ob IP-Streitigkeiten weiterhin von den bestehenden kantonalen Gerichten verhandelt werden sollten. Die Meinungen gingen auseinander. Einige Teilnehmer argumentierten, dass die Konzentration der Fälle vor einem einzigen Fachgericht die juristische Fachkompetenz stärken und eine grössere Einheitlichkeit bei der Entscheidungsfindung fördern würde. Andere betonten die Bedeutung der Aufrechterhaltung des lokalen Zugangs zur Justiz und warnten vor einer übermässigen Zentralisierung. Eine Lösung könnte darin bestehen, eine Koexistenz beider Systeme zuzulassen.

Die Konferenz bot eine wertvolle Gelegenheit, die Praktiken von den Schweizer Kantonsgerichten in Streitigkeiten im Bereich des Immaterialgüterrechts zu vergleichen und zu erörtern, inwieweit sich diese im Laufe der Zeit annähern könnten. Durch die Kombination von wissenschaftlichen Vorträgen mit dem Austausch zwischen Richtern und Praktikern aus verschiedenen Rechtsordnungen verdeutlichte das Seminar sowohl die Vielfalt des Schweizer Zivilprozessrechts als auch den Wert des interkantonalen Dialogs bei der Ermittlung und dem Austausch bewährter Verfahren. Es ist zu hoffen, dass künftige Veranstaltungen diesen Austausch weiterhin fördern und zur weiteren Entwicklung der Schweizer Rechtsprechung im Bereich des Immaterialgüterrechts beitragen werden.

La phase d’allégation

Après avoir rappelé les principes procéduraux régissant cette étape — à savoir la maxime des débats, le principe de disposition et la maxime éventuelle — le Professeur François Bohnet a examiné les conséquences pratiques du nouvel article 229 CPC ainsi que l’introduction du droit de réplique inconditionnel. Une attention particulière a été portée à l’organisation de la phase d’allégation et aux limites du pouvoir d’organisation du tribunal.

La négociation transactionnelle (Vergleichsverhandlung)

La session suivante, introduite par Daniel Schwander, était consacrée à la Vergleichsverhandlung, une audience structurée de négociation largement pratiquée dans plusieurs cantons alémaniques, mais encore largement inconnue en Suisse romande. En règle générale, après le premier échange d’écritures, une délégation restreinte du tribunal convoque une audience au cours de laquelle les parties elles-mêmes, plutôt que leurs seuls représentants, participent activement aux discussions. Environ 80% des litiges se concluent par une transaction à ce stade (voir le compte rendu de la conférence «Der Immaterialgüterrechtsprozess: Prozessmanagement», sic! 2020, p. 307). Les juges présentent une appréciation préliminaire et non contraignante de l’affaire, qui sert ensuite de point de départ aux discussions transactionnelles. Le Tribunal fédéral a d’ailleurs très récemment confirmé que la communication d’une telle appréciation provisoire ne remettait pas en cause l’impartialité du tribunal (ATF 152 III 161 ss).

Les échanges entre les juges ont mis en évidence la diversité des pratiques cantonales. Si la Vergleichsverhandlung est solidement ancrée dans plusieurs cantons alémaniques, Berne applique une approche plus discrète consistant à entendre d’abord les parties séparément avant de les réunir. Des procédures comparables demeurent rares dans les cantons romands. Les échanges avec le public, composé principalement de praticiens, ont toutefois montré que cette méthode était accueillie favorablement. Plusieurs participants se sont montrés réceptifs à l’idée d’un rôle plus proactif du juge, notamment lorsqu’il consiste à formuler une appréciation préliminaire de l’affaire afin de favoriser un règlement amiable.

La procédure probatoire

Emmanuel Piaget a introduit la session de l’après-midi consacrée à la procédure probatoire en présentant la gestion concrète de l’administration des preuves devant un tribunal cantonal. Les échanges ont mis en lumière les différences d’approche en matière d’admission des preuves. Zurich applique un contrôle particulièrement strict, tandis que Berne adopte une position intermédiaire et que les cantons romands suivent généralement une pratique plus souple. Ces discussions ont illustré la persistance de traditions procédurales distinctes malgré l’harmonisation introduite par le Code de procédure civile.

Les procédures sommaires

La dernière session a été introduite par le Dr Meinrad Vetter, qui a présenté les principales caractéristiques des procédures sommaires (Summarverfahren). Son intervention portait notamment sur les mesures provisionnelles et superprovisionnelles, les restrictions en matière de preuve, les mémoires préventifs (Schutzschriften), le déroulement de la procédure ainsi que la répartition des frais.

Table ronde finale

La journée s’est achevée par une table ronde animée par Me Guillaume Fournier, au cours de laquelle le public a pu échanger directement avec les membres du panel. L’une des principales questions abordées portait sur l’opportunité, pour la Suisse, de créer un tribunal unique spécialisé en matière de propriété intellectuelle, ou de maintenir la compétence des juridictions cantonales. Les avis étaient partagés. Certains intervenants ont estimé qu’une concentration des litiges devant une juridiction spécialisée renforcerait l’expertise judiciaire et favoriserait une plus grande cohérence dans la prise de décision. D’autres ont souligné l’importance de préserver une justice de proximité et mis en garde contre une centralisation excessive. Une solution intermédiaire pourrait consister à permettre la coexistence de ces deux modèles.

Cette conférence a offert une occasion précieuse de comparer les pratiques procédurales développées par les tribunaux cantonaux suisses en matière de contentieux de la propriété intellectuelle et de réfléchir à leur possible convergence. En associant des présentations académiques à des échanges entre juges et praticiens issus de différentes juridictions, le séminaire a mis en évidence tant la diversité de la procédure civile suisse que l’intérêt du dialogue intercantonal pour l’identification et le partage des meilleures pratiques. Il est permis d’espérer que de futures éditions continueront à favoriser ces échanges et contribueront au développement du contentieux suisse de la propriété intellectuelle.

Carolina Moreno,

Avocate, Genève.