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Berichte / Rapports

Ein Urteil zwischen Himmel und Hölle: So kann man die geballte Ladung des EuGH zum Rechtsrahmen der audiovisuellen Vermarktung von Satelliten-Live-Ausstrahlungsrechten an massenattraktiven Fussballspielen in der EU zusammenfassen. Einerseits ĂŒberzeugt das Urteil mit seiner konsequenten Subsumtion des Sachverhalts unter das regulatorische Konzept eines grenzenlosen Satellitenrundfunks zu den generellen Bedingungen des EU-Binnenmarktes, die zum Schluss fĂŒhrt, dass nationale Rechtsordnungen gegen Unionsrecht verstossen, wenn darin BeschrĂ€nkungen fĂŒr den Empfang von Sendungen enthalten sind, die von anderen Mitgliedstaaten aus ĂŒber Satellit gesendet werden. An anderer Stelle ĂŒberrascht das Urteil mit einem verblĂŒffend klaren Obiter Dictum fĂŒr den Fall, dass in nationalen Rechtsordnungen einem Sportveranstalter de lege ferenda an den von ihm organisierten Liga-Fussballspielen (urheberrechtliche) Leistungsschutzrechte zuerkannt werden wĂŒrden. Der EuGH lĂ€sst dabei durchblicken, dass das Urteil bei einem Vorliegen solcher nationalen Schutzrechte höchstwahrscheinlich einen anderen Ausgang genommen hĂ€tte, weil «Sportereignisse als solche einzigartig [sind] und insoweit einen Originalcharakter [haben], der sie möglicherweise zu GegenstĂ€nden werden lĂ€sst, die einen mit dem Schutz von Werken vergleichbaren Schutz verdienen» (E. 100). Andererseits gibt das Urteil aber selbst fĂŒr diesen hypothetischen Fall gewichtige, der Rechtssicherheit nicht dienliche RĂ€tsel auf, wenn z.B. die RechtmĂ€ssigkeit von exklusiven, ĂŒber Auktionen vergebene Lizenzen fĂŒr territoriale Ausstrahlungsrechte anerkannt, dann aber die damit von der Football Association Premier League Ltd. ins Feld gefĂŒhrte Absicht, mit diesen territorialen Exklusivabreden eine höchstmögliche VergĂŒtung bei der Vermarktung von TV-Rechten erzielen zu wollen, als Rechtfertigungsgrund fĂŒr eine BeschrĂ€nkung des freien Dienstleistungsverkehrs nicht mehr akzeptiert wird. Dies erfolgt mit der erstaunlichen BegrĂŒndung, EigentĂŒmern von ImmaterialgĂŒterrechten stĂŒnde nur ein Anspruch auf eine «angemessene», nicht aber auf eine «höchstmögliche» Erzielung von LizenzertrĂ€gen zu.

Wenn man bedenkt, welche gigantischen Lizenzsummen hier zur Diskussion stehen und wie schnell Diskussionen ĂŒber die Regulierung von Sportökonomien auf dem politischen Parkett landen, dann ist fraglich, ob die sich stellenden Fragen im Spannungsfeld zwischen ExklusivitĂ€t, TerritorialitĂ€t und einem supranational geregelten, schrankenlosen Binnenmarkt letztlich tatsĂ€chlich allein mit dem Erlass nationaler Leistungsschutzrechte fĂŒr Sportveranstalter gelöst werden können, wie diese in Frankreich schon Tatsache sind (vgl. Art. L. 333 des französischen Code du Sport). Man darf deshalb gespannt auf das erste Vorlagengesuch eines französischen Gerichts warten, denn auch dort gibt es «Murphys», die in ihren Bistros die Ligue-1-Spiele ĂŒber importierte auslĂ€ndische Satelliten-Decoderkarten zeigen und damit auch dort in die milliardenschweren Lizenzvertragsbeziehungen zwischen Ligaveranstalter und den offiziellen Lizenznehmern eindringen.

Un jugement entre ciel et enfer: voilĂ  comment on peut rĂ©sumer la dĂ©cision de la CJUE sur la commercialisation des droits de diffusion en direct par satellite des matches de football en droit communautaire. Certes, le ju|gement est convaincant dans la mesure oĂč il soumet le concept d’une diffusion satellitaire sans frontiĂšres aux conditions cadres du marchĂ© unique. Par consĂ©quent, les ordres juridiques nationaux violent le droit de l’Union lorsqu’ils contiennent des restrictions Ă  la rĂ©ception d’émissions d’autres Etats membres diffusĂ©es par satellite. Mais le jugement surprend par ailleurs dans un obiter dictum pourtant parfaitement clair: si un ordre juridique national venait Ă  reconnaĂźtre de lege ferenda un droit voisin du droit d’auteur en faveur des organisateurs de manifestations sportives pour les championnats de football qu’ils organisent, la Cour laisse entendre que le jugement aurait selon toute vraisemblance trouvĂ© une autre issue car «les rencontres sportives, en tant que telles, revĂȘtent un caractĂšre unique et, dans cette mesure, original, qui peut les transformer en des objets dignes de protection comparable aux Ɠuvres» (consid. 100). Or, cette hypothĂšse donne l’occasion Ă  la Cour de poser une Ă©nigme fort embarrassante pour la sĂ©curitĂ© du droit. Tout en reconnaissant la lĂ©galitĂ© des licences exclusives de droits de diffusion territoriaux attribuĂ©es par des ventes aux enchĂšres publiques, elle dĂ©nie la lĂ©gitimitĂ© du motif justificatif invoquĂ© par la Football Association Premier League Ltd., Ă  savoir revendiquer, via ces accords d’exclusivitĂ© territoriale, la rĂ©munĂ©ration la plus Ă©levĂ©e possible. Dans une motivation Ă©tonnante, la Cour dĂ©clare en effet que les titulaires de droits de propriĂ©tĂ© intellectuelle ne pourraient revendiquer qu’une rĂ©munĂ©ration «appropriĂ©e» et non «la plus Ă©levĂ©e possible».

Si l’on songe aux sommes gigantesques qui sont en jeu et Ă  la rapiditĂ© avec laquelle le thĂšme de la rĂ©gulation en Ă©conomie du sport atterrit sur le terrain politique, on peut se demander en fin de compte si les questions relatives Ă  l’exclusivitĂ©, Ă  la territorialitĂ© et au marchĂ© unique supranational peuvent se rĂ©soudre, Ă  l’égard des organisateurs de manifestations sportives, par le seul moyen d’un droit voisin, comme c’est dĂ©jĂ  le cas en France (cf. art. L. 333 du Code du sport français). C’est pourquoi l’on attendra avec intĂ©rĂȘt la premiĂšre question prĂ©judicielle qui sera soumise par un tribunal français. Il existe aussi en France des «Murphy» qui diffusent dans leur bistrot des matches de 1Ăšre ligue via des dispositifs de dĂ©codage satellitaire importĂ©s de l’étranger et qui s’immiscent ainsi dans les juteuses affaires entre organisateurs et preneurs de licence.

Simon Osterwalder | 2012 Ausgabe 10



Neue Mitgliedstaaten internationaler Konventionen (Datum des Inkrafttretens)



Die diesjĂ€hrige Tagung zur Praxis des ImmaterialgĂŒterrechts in der Schweiz fand im Lake Side Casino ZĂŒrichhorn im Anschluss an die Mitgliederversammlung des Instituts fĂŒr gewerblichen Rechtsschutz (INGRES) statt. Die Veranstaltung wurde von RA Dr. Christoph Gasser, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Instituts, organisiert und von RA Dr. Michael Ritscher, PrĂ€sident von INGRES, geleitet.



Neue Mitgliedstaaten internationaler Konventionen (Datum des Inkrafttretens)



Yes, in Switzerland one and the same industrial product can be protected by both a design right and a copyright, provided it fulfils the requirements for both copyright and industrial design protection. While the differences in the respective protection requirements and scopes of protection between copyright and design right have been intensively debated in Swiss doctrine, the principle of cumulative protection as such is generally acknowledged.



No explicit definition of the term “Traditional Knowledge” can be found in Swiss legislation, even though the term itself appears in Article 49a Patent Law.



Die alljĂ€hrlich, bereits zum dritten Mal unter diesem Titel durchgefĂŒhrte Tagung des INGRES fand wieder unter der inhaltlichen Leitung von RA Dr. Michael Ritscher und unter der organisatorischen Leitung von RA Dr. Christoph Gasser auf dem ZĂŒrichberg statt. Mit der hiesigen ImmaterialgĂŒterrechtsgemeinde und zahlreichen Besuchern aus insgesamt neun LĂ€ndern, von welchen einige bereits am vorgĂ€ngigen Skitag teilgenommen hatten, war die Tagung ausgesprochen gut besucht und scheint sich als Anlass zu etablieren, an welchem sich die am europĂ€ischen ImmaterialgĂŒterrecht interessierten Kreise gerne treffen. Neu war dieses Jahr, dass die Veranstaltung – durch die jĂŒngsten institutionellen Entwicklungen im Patentrecht bedingt – bereits am Vormittag begann und dem Patentrecht mehr Zeit gewidmet wurde als frĂŒher.



Der EuGH kommt im Rahmen zweier Vorabentscheidungsverfahren zum Schluss, dass eine gerichtliche Anordnung an Internetdienstanbieter unzulĂ€ssig ist, welche die Einrichtung eines Systems verlangt, das prĂ€ventiv, auf eigene Kosten und zeitlich unbegrenzt sĂ€mtliche elektronischen Mitteilungen bzw. auf der Plattform gespeicherte Informationen aller Kunden filtert und in der Lage ist, den Austausch bzw. das ZurverfĂŒgungstellen von jenen Dateien zu identifizieren und zu verhindern, die geschĂŒtzte Werke des Antragsstellers enthalten und das Urheberrecht verletzen.

La CJCE a Ă©tĂ© appelĂ©e Ă  trancher deux questions prĂ©judicielles et est arrivĂ©e Ă  la conclusion qu’il n’était pas admissible d’ordonner judiciairement Ă  des fournisseurs d’accĂšs Ă  Internet de mettre en place un systĂšme filtrant prĂ©ventivement, Ă  leurs propres frais et de maniĂšre illimitĂ©e, toutes les communications Ă©lectroniques de tous les clients resp. les informations enregistrĂ©es sur la plateforme et qui serait en mesure d’identifier et d’empĂȘcher l’échange et la mise Ă  disposition de donnĂ©es contenant des Ɠuvres protĂ©gĂ©es du demandeur et violant le droit d’auteur.

Donatella Fiala | 2012 Ausgabe 7-8



Neue Mitgliedstaaten internationaler Konventionen (Datum des Inkrafttretens)



Anpassung der Richtlinien in Markensachen per 1. Juli 2012



Die wissenschaftliche Arbeit hat bei der AIPPI einen hohen Stellenwert: Jedes Jahr werden sogenannte Q’s (Questions) zu aktuellen Themen zunĂ€chst durch die nationalen Gruppen erarbeitet und anschliessend auf internationaler Ebene diskutiert und finden Eingang in die Resolutionen von AIPPI International, welche anlĂ€sslich der jĂ€hrlichen Kongresse bzw. Executive Committee Meetings verabschiedet werden.



In Switzerland, the following post-grant proceedings are available: validity and infringement disputes and actions for issuing a license in respect of patents. These post-grant proceedings are available only at the Federal Patent Court and are subsequently appealable at the Federal Supreme Court.



Neither statutory nor case law provides for a comprehensive “in transit” concept in the field of intellectual property in general or with regard to trademarks in particular.



11. Urheberrechtstagung des Schweizer Forum fĂŒr Kommunikationsrecht SFâ€ąêŸ»Æ§ vom 28. Februar 2012



Besteht ein Zeichen ausschliesslich aus der Form des Produktes, vorliegend einem Lautsprecher, und verleiht diese Form dem Produkt seinen wesentlichen Wert, kann es nicht als dreidimensionale Gemeinschaftsmarke eingetragen werden.

Jedes absolute Eintragungshindernis ist von den anderen unabhĂ€ngig und gesondert zu prĂŒfen. Die relevanten Tatsachen, aus denen sich ein solches Eintragungshindernis ergeben kann, sind dabei von Amts wegen zu ermitteln. In einem wiedereröffneten Verfahren kann ein Entscheid daher gleichfalls auf ein bis anhin nicht geprĂŒftes, absolutes Eintragungshindernis gestĂŒtzt werden.

Si un signe est constituĂ© exclusivement par la forme du produit, en l’espĂšce d’un haut-parleur, et si la forme donne une valeur substantielle au produit, ledit signe ne peut pas ĂȘtre enregistrĂ© comme marque communautaire tridimensionnel.

Chacun des motifs absolus de refus d’enregistrement est indĂ©pendant des autres et exige un examen sĂ©parĂ©. Les faits pertinents, qui pourraient l’amener Ă  appliquer un motif absolu de refus, sont Ă  examiner d’office. Dans la procĂ©dure d’examen rouverte la dĂ©cision peut ĂȘtre fondĂ©e sur un autre motif absolu de refus, jusqu’à prĂ©sent non examinĂ©.

Birgit Weil | 2012 Ausgabe 6



Schutzzertifikate werden gemĂ€ss der bisherigen Praxis des Instituts nur ausgestellt, wenn der Zeitraum zwischen Patentanmeldung und erster Zulassung eines Arzneimittels mit diesem Erzeugnis (Wirkstoff oder Wirkstoffzusammensetzung) in der Schweiz lĂ€nger ist als fĂŒnf Jahre, d.h. wenn damit eine tatsĂ€chliche VerlĂ€ngerung der Schutzfrist verbunden ist. In FĂ€llen hingegen, in denen eine Arzneimittelzulassung bereits innerhalb von fĂŒnf Jahren nach der Patentanmeldung erfolgte, wurde bis anhin – mangels Rechtsschutzinteresse an einem Zertifikat mit einer negativen Schutzdauer – kein Zertifikat erteilt.



Im Rahmen einer Klage von L’OrĂ©al gegen eBay sowie einzelne natĂŒrliche Personen behandelte der EuGH in diesem Urteil eine Reihe von sich im Zusammenhang mit Online-MarktplĂ€tzen ergebenden Fragestellungen. Auf Beachtung stiess der Entscheid vor allem aufgrund der AusfĂŒhrungen zur Verantwortlichkeit der Anbieter von Online-MarktplĂ€tzen fĂŒr Markenverletzungen durch deren Kunden. GemĂ€ss diesem Entscheid greift der Schutz der Provider vor einer Haftbarkeit in Art. 14 E-Commerce-Richtlinie nicht, wenn sie selbst eine aktive Rolle spielen, etwa durch die Optimierung von Verkaufsinseraten, oder wenn sie trotz Kenntnis einer Rechtsverletzung nicht unverzĂŒglich aktiv werden. Ausserdem Ă€ussert sich der EuGH zur Anwendbarkeit von EU-Markenrecht auf Verkaufsangebote von Waren, die sich in Drittstaaten befinden, sowie zur (Un-)ZulĂ€ssigkeit des Verkaufs von Proben und Testartikeln bzw. von unverpackten Waren. Ferner nimmt das Gericht noch einmal zur Verwendung von Drittmarken als Keywords fĂŒr Suchmaschinen Stellung.

Dans l’arrĂȘt rendu dans l’affaire L’OrĂ©al contre eBay et quelques personnes physiques, la CJUE a traitĂ© d’une sĂ©rie de questions concernant les ventes en ligne. Ce sont avant tout ses considĂ©rants relatifs Ă  la responsabilitĂ© des vendeurs en ligne pour les violations de marques commises par leurs clients qui ont suscitĂ© l’intĂ©rĂȘt. Selon cette dĂ©cision, les fournisseurs ne peuvent se prĂ©valoir de l’exonĂ©ration de responsabilitĂ© prĂ©vue Ă  l’art. 14 de la Directive sur le commerce Ă©lectronique lorsqu’ils jouent un rĂŽle actif, par exemple en optimisant les annonces, ou lorsqu’ils ne rĂ©agissent pas immĂ©diatement aprĂšs avoir eu connaissance d’une infraction. La CJUE se prononce par ailleurs sur l’applicabilitĂ© du droit europĂ©en des marques Ă  la vente de produits se trouvant dans un pays tiers, ainsi que sur l’admissibilitĂ© de la vente d’échantillons et d’articles de dĂ©monstration, ou de produits non-emballĂ©s. En outre, la Cour se prononce au sujet de l’utilisation de marques de tiers comme mots-clĂ©s pour des moteurs de recherche.

Markus Kaiser | 2012 Ausgabe 5



Nach den offiziellen Angaben des SIPO waren fĂŒr eine Patenterteilung in China im Jahre 2009 durchschnittlich 43,3 Monate zu veranschlagen, im Jahre 2010 dann 42,2 Monate und im Jahr 2011 immerhin noch 40,9 Monate. Der Eindruck vieler Praktiker ist allerdings, dass regelmĂ€ssig sogar mit 2,5 Jahren nach Veröffentlichung, also insgesamt eher 48 Monaten, zu rechnen ist. Vor diesem Hintergrund und angesichts der schnellen Entwicklung des industriellen Sektors in China mit kurzen Produktzyklen ist eine Beschleunigung des Anmeldeverfahrens, wie sie in dem Entwurf von Verwaltungsmethoden zur vorrangigen PrĂŒfung von Patentanmeldungen vom 16. Dezember 2011 erwogen wird, von besonderem Interesse fĂŒr viele Anmelder. Der nachfolgende Beitrag stellt den Entwurf vor und beleuchtet einige kritische Aspekte.

Pour obtenir un brevet en Chine, il fallait compter en moyenne 43,3 mois en 2009, 42,2 mois en 2010 et 40,9 mois en 2011, selon les informations officielles du SIPO. Mais, selon l’expĂ©rience de nombreux praticiens, il faut rĂ©guliĂšrement compter deux ans et demi dĂšs la publication, soit 48 mois en tout. Dans ce contexte, et en raison de la rapiditĂ© du dĂ©veloppement du secteur industriel en Chine avec des produits de cycles courts, l’accĂ©lĂ©ration de la procĂ©dure, telle que l’envisage le projet des mĂ©thodes administratives sur l’examen prioritaire des demandes de brevets du 16 dĂ©cembre 2011, est particuliĂšrement intĂ©ressante pour de nombreux dĂ©posants. L’article qui suit prĂ©sente le projet et examine quelques aspects critiques.

Jörg-Michael Scheil | 2012 Ausgabe 5



Neue Mitgliedstaaten internationaler Konventionen (Datum des Inkrafttretens)



Mit Urteil vom 1. Dezember 2011 hat sich der EuGH zu den Voraussetzungen geĂ€ussert, unter denen Zollbehörden Waren vorlĂ€ufig zurĂŒckhalten können, die sich in der EU auf der Durchfuhr in Drittstaaten oder in einem Zolllager befinden und die im Verdacht stehen, als «nachgeahmte» bzw. «unerlaubt hergestellte Waren» in der EU wirksame Schutzrechte Dritter zu verletzen. Sodann hat der EuGH auch erlĂ€utert, unter welchen Voraussetzungen in einem Erkenntnisverfahren festgestellt werden kann, dass derartige Waren die Schutzrechte eines Dritten tatsĂ€chlich verletzen.

Demnach können Zollbehörden solche Waren vorlĂ€ufig zurĂŒckhalten, wenn Anhaltspunkte fĂŒr einen begrĂŒndeten Verdacht auf eine mögliche Schutzrechtsverletzung vorliegen. Solche Verdachtsmomente können sich nicht nur auf einen diese Waren betreffenden Verkauf, eine Verkaufsofferte oder eine Werbung an Abnehmer in der EU beziehen. Auch Anhaltspunkte dafĂŒr, dass die an der Herstellung und am Versand der Ware Beteiligten entweder beabsichtigen, die Ware zu Verbrauchern in der EU umzuleiten oder aber ihre wahren Handelsabsichten verschleiern, vermögen eine vorlĂ€ufige ZurĂŒckhaltung zu rechtfertigen.

Der EuGH hĂ€lt weiter fest, dass eine Schutzrechtsverletzung dann vorliegt, wenn solche Waren bereits Gegenstand einer an die Verbraucher in der EU gerichteten geschĂ€ftlichen Handlung (wie eines Verkaufs, eines Verkaufsangebots oder einer Werbung) sind, oder wenn seitens der betreffenden Marktteilnehmer die Absicht besteht, diese Ware zu Verbrauchern in der EU umzuleiten. Solche UmstĂ€nde mĂŒssen vom Schutzrechtsinhaber bewiesen werden, damit eine Verletzung seiner Rechte festgestellt werden kann. Damit lehnt der EuGH die sogenannte Fiktionstheorie ab, nach der ein solches Sachurteil auch gestĂŒtzt auf die Fiktion möglich sein soll, wonach die betreffenden Waren in jenem Staat hergestellt wurden, in dem sie von den Zollbehörden vorlĂ€ufig zurĂŒckgehalten werden.

Dans une dĂ©cision rendue le 1er dĂ©cembre 2011, la CJUE s’est prononcĂ©e sur les conditions auxquelles les autoritĂ©s douaniĂšres peuvent retenir momentanĂ©ment des marchandises qui se trouvent dans un pays membre de l’UE en transit vers des Etats tiers ou dans des entrepĂŽts de douane et qui sont soupçonnĂ©es de porter atteinte Ă  des droits de propriĂ©tĂ© intellectuelle. La CJUE a Ă©galement prĂ©cisĂ© Ă  quelles conditions on peut faire constater que de telles marchandises portent effectivement atteinte Ă  des droits de propriĂ©tĂ© intellectuelle de tiers.

Les autoritĂ©s douaniĂšres peuvent retenir de telles marchandises lorsqu’il existe des indices permettant de soupçonner une atteinte Ă  des droits de propriĂ©tĂ© intellectuelle. De tels soupçons peuvent se manifester non seulement en cas de mise en vente ou de publicitĂ© Ă  destination de consommateurs de l’UE, mais aussi lorsqu’il existe des indices dĂ©montrant soit que les tiers impliquĂ©s dans la fabrication et la distribution des marchandises envisagent de dĂ©tourner la marchandise vers des consommateurs de l’UE, soit qu’ils dissimulent leurs vĂ©ritables objectifs commerciaux.

La CJUE admet Ă©galement l’existence d’une atteinte Ă  des droits de propriĂ©tĂ© intellectuelle lorsque de telles marchandises font dĂ©jĂ  l’objet d’activitĂ©s commerciales destinĂ©es aux consommateurs de l’UE (telles que vente, offre de vente ou publicitĂ©) ou lorsqu’il existe une intention de dĂ©tourner ces marchandises vers des consommateurs de l’UE. De telles circonstances doivent ĂȘtre prouvĂ©es par le titulaire pour qu’on puisse consta|ter une atteinte Ă  ses droits. Ainsi, la CJUE rejette la thĂ©orie de la fiction selon laquelle une telle dĂ©cision au fond pourrait ĂȘtre rendue en considĂ©rant que les marchandises seraient rĂ©putĂ©es fabriquĂ©es dans l’Etat dans lequel elles ont Ă©tĂ© retenues.

Frédéric Brand | 2012 Ausgabe 4



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