JĂŒrg Borer | Rolf H. Weber | Stephanie Volz
Schulthess Juristische Medien AG, ZĂŒrich 2013, 494 Seiten, CHF 198.â, ISBN 978-3-7255-6749-2
Die Autorschaft des Fachhandbuchs Wettbewerbsrecht, beide RechtsanwÀlte und zusÀtzlich an der UniversitÀt wissenschaftlich tÀtig, lÀsst die Erwartung aufkommen, dass ein systematisch gelungen aufgebautes Werk mit Praxisrelevanz geschaffen worden ist. Diese Erwartung wird in keiner Weise enttÀuscht.
Das Werk folgt von seinem Aufbau her der modernen Systematik des Kartellgesetzes. Neben Begrifflichem und der Behandlung von Abgrenzungsfragen wird das Schwergewicht auf die materiellen Bestimmungen in den Art. 5 (Abreden), Art. 7 (Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung) und Art. 10 (Fusionskontrolle) gelegt. Breiten Raum erhalten im Fachhandbuch zu Recht auch die Verfahrensregeln, welchen im Schweizer Recht angesichts der vom Bundesgericht vorgenommenen Qualifikation der kartellrechtlichen Sanktionsnormen als quasi-strafrechtlich bis jetzt ein eher dĂŒrftiges Regelwerk gewidmet ist und dessen Anwendung in der Praxis erst noch gefunden werden muss. Das zeigt sich auch daran, dass im Kartellrecht ein der Schweiz bis anhin fremdes System von Sanktionen und Kronzeugenregelung geschaffen wurde, welches in der Praxis zu komplexen Fragestellungen fĂŒhrt. Sollen diese vermieden werden, tun sich die betroffenen Unternehmen gut daran, ihre Compliance-Anstrengungen auf hohem Niveau zu halten; auch dafĂŒr bietet das Fachhandbuch wertvolle Hinweise, die zeigen, dass die Autoren ihr Handwerk nicht nur vom wissenschaftlichen Elfenbeinturm aus beherrschen.
Das Werk wird als Fachhandbuch qualifiziert. Es soll folglich weder eine wissenschaftliche Darstellung des Kartellgesetzes noch ein Lehrbuch fĂŒr Studierende sein und auch nicht eine Kommentierung, welche in der Schweiz unter anderem mittels Grosskommentaren (Basler Kommentar und Commentaire Romand), aber auch durch Kurzkommentare das Kartellrecht gut ausleuchtet. Adressaten des Werkes sind in erster Linie die Praktiker (Anwaltschaft und Unternehmensjuristen), welchen durch die klare systematische Darstellung eine schnelle und konzise kartellrechtliche Einordnung von Handlungen im Wirtschaftsverkehr erlaubt wird. Sie können das Werk als Grundlage benutzen, um eine erste RisikoeinschĂ€tzung vorzunehmen â ein Unterfangen, das angesichts der drakonischen kartellrechtlichen Sanktionen im Unternehmen unabdingbar ist. DiesbezĂŒglich enthĂ€lt das Werk viele Checklisten und vereinzelt zu bestimmten kartellrechtlichen Konstellationen auch konkrete Verhaltenstipps. Eine Lösung komplexer kartellrechtlicher Fragen gestĂŒtzt auf umfassende Hinweise auf Lehre und Praxis vermag das Werk nicht zu vermitteln; die Fundstellen beschrĂ€nken sich auf Hinweise auf die Standardkommentare (nicht jedoch auf den Commentaire Romand) und einige Einzelwerke sowie auf die Leitentscheide der Praxis. Dieses Ziel wird mit seiner Stossrichtung als Fachhandbuch jedoch auch nicht angestrebt. Zu empfehlen wĂ€re das Werk in jedem Fall auch Studierenden, da es in einer gut verstĂ€ndlichen Sprache eine systematisch umfassende Darstellung des Kartellrechts mit Checklisten prĂ€sentiert. Die preisliche Ausrichtung des Werks wird jedoch diesem Unterfangen gewisse Hindernisse in den Weg legen.
Das Fachhandbuch wird seinen Logenplatz im Regal der Standardwerke bei den Praktikern in jedem Fall finden. Es ersetzt nicht die umfassenden Kommentierungen und die Spezialliteratur, wird jedoch als Einstiegsinstrument zur Lösung kartellrechtlicher Fragen in jedem Fall erste Wahl sein.
Dr. JĂŒrg Borer,
Rechtsanwalt, ZĂŒrich