11 | 2023
Bibliographie

Patrik Ducrey

Rolf H. Weber, Stephanie Volz: Fachhandbuch – Wettbewerbsrecht

Schulthess Juristische Medien AG, ZĂŒrich 2023, XXXVII+560 Seiten, CHF 298.00, ISBN 978-3-7255-8428-4

Die Neuauflage des Fachhandbuchs Wettbewerbsrecht von Rolf H. Weber und Stephanie Volz reiht sich ein in eine ganze Serie von Neuerscheinungen im Kartellrecht: Basler Kommentar (2021; Herausgeber Amstutz/Reinert), StĂ€mpfli Lehrbuch (2023; Autoren ZĂ€ch/Heizmann) und SIWR V/2 (2023; Herausgeber Ducrey/Zimmerli). Es unterscheidet sich jedoch in zwei Punkten von den anderen ĂŒberarbeiteten Werken, die sich entweder an Studierende richten oder sich wissenschaftlich vertieft mit der Materie auseinandersetzen: Erstens behandelt es das Wettbewerbsrecht in den Dimensionen Kartellrecht und unlauterer Wettbewerb; zweitens ist es kompakter und soll gemĂ€ss dem Vorwort des Autors und der Autorin «den Praktikern einen einfachen und leicht verstĂ€ndlichen Überblick ĂŒber die Materien des Kartell- und Lauterkeitsrechts verschaffen». Diese AnkĂŒndigung gelingt Weber/Volz ausgezeichnet, indem sie zwar alle relevanten Fragen behandeln ohne aber auf wissenschaftliche oder dogmatische Auseinandersetzungen einzugehen. Das Werk enthĂ€lt denn auch viele Beispiele, Praxistipps, grafische Darstellungen, Checklisten und vertiefende AusfĂŒhrungen auf die Kasuistik der jeweiligen Fragestellung, was es fĂŒr die Praktikerinnen und Praktiker besonders wertvoll macht.

Hinsichtlich des Aufbaus gehen Weber/Volz im ersten Kapitel einleitend auf den Zweck und die Ausgestaltung des schweizerischen Wettbewerbsrechts ein und behandeln die jeweiligen Anwendungs- und Geltungsbereiche des Kartellgesetzes (KG) und des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb (UWG). Im zweiten Kapitel befassen sie sich relativ ausfĂŒhrlich mit der materiellen Ordnung im Kartellrecht und gehen einzeln auf die TatbestĂ€nde der unzulĂ€ssigen Wettbewerbsabreden, des Missbrauchs einer marktbeherrschenden oder relativ marktmĂ€chtigen Stellung sowie der Kontrolle von UnternehmenszusammenschlĂŒssen ein. Die einzelnen Tatbestandselemente sind praxisgerecht aufgearbeitet und die neusten Entscheide der WEKO sowie Urteile von Bundesverwaltungs- und Bundesgericht sind eingearbeitet. Bisweilen hĂ€tten einzelne Formen von BeschrĂ€nkungen kompakter bearbeitet werden können, werden doch beispielsweise an drei unterschiedlich Stellen selektive Vertriebssysteme behandelt (S. 105, 117 und 120). Die am 1. Januar 2022 neu in Kraft getretenen Bestimmungen zur relativen Marktmacht werden sowohl begrifflich als auch in Bezug auf den neuen Missbrauchstatbestand der EinschrĂ€nkung des Bezugs im Ausland (Art. 7 Abs. 2 lit. g KG) zwar erwĂ€hnt, aber mangels Kasuistik und angesichts der «mageren» Materialien bleiben die AusfĂŒhrungen gezwungenermassen oberflĂ€chlich.

Besonders kompakt und praxisgerecht ist das dritte Kapitel mit der materiellen Ordnung im Lauterkeitsrecht. Der Praktiker und die Praktikerin finden auf gut 100 Seiten AusfĂŒhrungen zur Generalklausel sowie zu den zahllosen Grund- und SondertatbestĂ€nden des UWG. Die Behandlung der einzelnen Bestimmungen folgt einem einheitlichen Muster mit Tatbestand, Rechtsfolgen und Abgrenzungen sowie Relevanz und Kasuistik. Dieser Teil ist ein sehr wertvoller Leitfaden fĂŒr den/die nicht spezialisierte/n Praktiker bzw. Praktikerin.

Das vierte Kapitel widmet sich dem Verfahrensrecht und es werden je die zivilrechtliche, die verwaltungsrechtliche sowie die strafrechtliche Durchsetzung des KG und des UWG dargestellt. FĂŒr das UWG am wichtigsten ist das zivilrechtliche Verfahren und fĂŒr das KG das Verwaltungsverfahren. Ihnen wird entsprechend am meisten Platz eingerĂ€umt, wĂ€hrend die ĂŒbrigen – eher marginalen – Verfahrensarten nur kurz abgehandelt werden. Auch die verfahrensrechtlichen AusfĂŒhrungen sind kompakt und fĂŒr den Praktiker/die Praktikerin redigiert. Die AusfĂŒhrungen zum verwaltungsrechtlichen Kartellverfahren sind – im Gegensatz zur materiellen Ordnung – nicht ĂŒberall auf der Höhe der AktualitĂ€t. So wird beispielsweise bei der Hausdurchsuchung (S. 478 ff.) teilweise auf Literatur aus der EinfĂŒhrungszeit dieses Ermittlungsinstruments verwiesen, die in |der Praxis ĂŒberholt ist. Hier wĂ€re die Einarbeitung des aktuellen Merkblattes der WEKO «AusgewĂ€hlte Ermittlungsinstrumente» sinnvoller gewesen. Generell fĂ€llt beim Verwaltungsverfahren nach KG auf, dass der Autor und die Autorin die auf der Website der WEKO publizierten MerkblĂ€tter zu VorabklĂ€rung, Untersuchung, einvernehmliche Regelung, Bonusregelung und dem Entscheidprozess vor der WEKO kaum Beachtung schenken. Aus Sicht des Praktikers wĂŒrde man Hinweise auf diese erwarten. Sie sind jedoch leicht auffindbar und sollten somit ihren Zweck der Transparenz der Verfahren dennoch erfĂŒllen können.

Insgesamt kann Weber/Volz nach der LektĂŒre bestĂ€tigt werden, dass der von ihnen im Vorwort angekĂŒndigte Zweck des Werks erfĂŒllt wird und dieses zu Recht die Bezeichnung Fachhandbuch trĂ€gt, das dem Praktiker und der Praktikerin bei Fragen zum Kartell- und Lauterkeitsrecht mit Rat zur Seite steht.