Caroline Gaul – «Der Arbeitsmarkt der Zukunft gehört denen, die sich schnell anpassen und in Technologie investieren.»
Arbeitsrecht, KI

Caroline Gaul ist Legal Partnerin bei MME. Zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten gehören die Beratung im IT-Vertragsrecht, die Begleitung von Vertragsverhandlungen, die Datenschutz-Compliance nach DSGVO und schweizerischem Recht sowie die Unterstützung bei Projekten in Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz. Caroline Gaul berät seit 2015 im Schweizer Recht und verfügt zudem über langjährige Berufserfahrung als deutsche Rechtsanwältin in einer grösseren Wirtschaftskanzlei in Frankfurt am Main. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Recht und Informatik (DGRI) sowie Mitgründerin und Co-Präsidentin des Schweizer IT-Juristinnen Verein (SITJ). Daneben publiziert und referiert sie regelmässig zu Themen im Bereich Tech, Künstliche Intelligenz, Data und Digitalisierung.
Wo liegen im Moment ihre Berührungspunkte mit dem Arbeitsrecht?
Im Rahmen meiner Tätigkeit als Anwältin im Bereich IT- und Datenrecht bestehen regelmässig Berührungspunkte mit dem Arbeitsrecht. Ohne IT und Daten ist Arbeit heute kaum mehr vorstellbar. Typischerweise geht es in meiner Beratung um datenschutzrechtliche Fragestellungen in Zusammenhang mit der Ausgestaltung von Arbeitsverträgen, internen Richtlinien und Datenschutzerklärungen sowie um interne Untersuchungen, Datenschutzvorfälle und Datentransfers ins Ausland. Aktuell ist vor allem auch der Einsatz von KI ein relevantes Thema.
Was sind die grössten Herausforderungen Ihrer Klienten?
Viele Unternehmen möchten moderne Technologien, insbesondere KI‑gestützte Tools, rasch einsetzen, um effizienter zu werden. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, die rechtlichen Anforderungen aus Datenschutz‑, IT‑ und Arbeitsrecht synchron mitzudenken. Wir unterstützen unsere Klienten dabei, die Chancen der Digitalisierung optimal zu nutzen.
Welches wäre Ihr wichtigster Tipp an Arbeitnehmer, welches an Arbeitgeber?
An Arbeitgeber: Innovation nie ohne Compliance betreiben. Wer Mitarbeitende früh einbindet und klare Regeln zum Umgang mit Daten und KI schafft, gewinnt Vertrauen und vermeidet Konflikte.
An Arbeitnehmer: Sich aktiv über die Regeln zum Umgang mit Daten und den Einsatz technischer Tools informieren, Prozesse hinterfragen und mitgestalten – das schafft Selbstbestimmung, gerade in Zeiten von KI.
Wie wird sich der Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren Ihrer Meinung nach verändern?
Der Schweizer Arbeitsmarkt wird sich in den nächsten Jahren stark verändern – vor allem durch technologische, demografische und strukturelle Faktoren. KI-gestützte Tools werden menschliche Tätigkeiten zunehmend ersetzen. Gleichzeitig werden neue Berufsbilder entstehen. Der Arbeitsmarkt der Zukunft bietet enorme Chancen für Innovation und neue Arbeitsformen, stellt Arbeitgeber und Arbeitnehmer aber auch vor die Aufgabe, sich noch schneller als früher weiterzuentwickeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Welches ist Ihrer Meinung nach die grösste Herausforderung im Schweizer Arbeitsrecht/Arbeitsmarkt in den kommenden 10 Jahren?
Die grösste Herausforderung wird sein, den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt rechtlich, organisatorisch und kulturell zu meistern. Wer sich schnell anpasst und in Kompetenzen, Technologie und Kultur investiert, wird zu den Gewinnern zählen.
Martina Aepli | legalis brief ArbR 18.02.2026